Kaiserliche Sitte in der Landesmitte

Olé olé, angekommen in Hué

Wie bereits angekündigt nahmen wir den berühmten Zug von Da Nang nach Hué, der den Wolkenpass an der Küste entlang fährt. Am Bahnhof angekommen begegneten wir auch schon wieder Kristins Papa, der ebenfalls auf diesem Wege zur alten Kaiserstadt fuhr. Der Pass bildet die Grenze zwischen Süd- und Nordvietnam und machte an diesem Tag auch seinem Namen aller Ehre. Wir hatten das Gebirge kaum überquert, da setzte zu dem ohnehin sehr bewölkten Himmel auch noch der Regen ein. Gleichzeitig begann ab hier der schönste Abschnitt durch die Berge an vielen Klippen entlang. Da dieser allerdings bei 15kmh gerade mal 30 Minuten andauerte, bei einer Gesamtfahrtzeit von über drei Stunden, hat es sich unserer Meinung nach für die 42€ pro Person nicht wirklich gelohnt. Bei der Ankunft in Hué trennten sich unsere Wege auch direkt schon wieder, da wir für unseren Aufenthalt das Riverside Homestay Hué im ruhigen Altstadtkern nahe der verbotenen Kaiserstadt wählten und Udo sich ein Hotel in der belebteren modernen Umgebung auf der anderen Flussseite gebucht hatte. 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem etwas chaotischen Frühstück mit vielen Missverständnissen auf den Weg zur alten Kaiserstadt. Während der Nguyen-Dynastie zwischen dem 17. und 19 Jahrhundert war sie die Hauptstadt des vietnamesischen Kaiserreiches. Erst als 1945 Ho Chi Minh in Hanoi die Unabhängigkeit Vietnams erklärte, verlor sie diese Funktion. Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten, die wir mit einem deutschen Audio-Guide schrittweise erkundeten, sind die alten Palastanlagen und die dazugehörige Zitadelle Kinh Than. Innerhalb dieser quadratischen Festungsmauer betteten die Herrscher eine separate Verbotene Stadt nach dem Vorbild der kaiserlichen Anlagen in Peking ein. Nach guten zwei Stunden übergaben wir unseren Audio-Guide an Udo, der gerade erst eingetroffen war und machten uns auf den Heimweg. Wir ruhten uns ein wenig aus, bevor wir abends in die belebte Umgebung für ein gemeinsames Abendessen mit Udo fuhren. 

Am Folgetag sollte unser Nachtbus nach Ninh Binh erst um 18 Uhr losfahren. Daher blieben wir bis zum Check-Out um 12 Uhr auf unserem Zimmer und fuhren anschließend in einen Starbucks nahe des Abfahrtorts, um die restlichen Stunden mit Planungen und Buchungen unserer nächsten Reisestopps totzuschlagen. Bereits um 15 Uhr begann das Chaos mit dem Reiseveranstalter. Anstatt der geplanten 18 Uhr, sollten wir plötzlich um 16 Uhr an einem völlig anderen Ort bereit zur Abholung sein. Da wir ohnehin schon sehr früh am Morgen in Ninh Binh ankommen sollte, kam eine noch frühere Abfahrtszeit für uns gar nicht in Frage. Nach mehrmaligem Hin und Her wurden wir fast 45 Minuten lang ignoriert und unsere Anrufen weggedrückt. Um kurz nach vier meldete sich ein anderer Mann mit einem wieder neuen Abfahrtsort für 17 Uhr. Uns blieb nicht viel anderes übrig als zuzustimmen und ließen uns zu einem Restaurant in unmittelbarer Nähe der Busstation fahren. Fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit bekamen wir eine weitere Nachricht mit einem neuen Abfahrtsort, der 15 Minuten mit dem Auto entfernt lag. Hier ist uns dann auch wirklich endgültig der Kragen geplatzt und wir verlangten unser Geld zurück. Daraufhin entschuldigte sich der Veranstalter zum ersten Mal und flehte uns förmlich an, dass wir doch bitte mit dem Taxi zum neuen Standort kommen sollen und sie auch die Kosten hierfür übernehmen würden. Diesmal trafen wir auch tatsächlich den auf uns wartenden Bus an und es ging direkt los nach Ninh Binh

Nichts wie hin, nach Ninh Binh!

Wie bereits befürchtet kamen wir mal wieder drei Stunden früher, um 3:20 Uhr mitten in der Nacht bei Regen, an. Diesmal hatten wir vorgesorgt, bereits eine zusätzliche Nacht bei unserer Unterkunft gebucht und konnten dadurch direkt in unser Zimmer und uns nochmal aufs Ohr hauen. Der kleine Ort Tam Cốc liegt sehr idyllisch an einem Fluss und bedeutet wörtlich übersetzt „drei Höhlen“. Durch die vielen Limestone Felsen in der grünen Umgebung wird diese Region auch Halong Bucht des Landesinneren genannt. Das Lavender Homestay liegt direkt an einem See und besitzt das zugehörige Cozy Garden Café. Dort erhielten wir sehr leckeres Frühstück und verbrachten sogar einmal 6 gemütliche Stunden an einem Regentag dort.

Am ersten Vormittag ging es für uns zum Nhoa Lying Dragon Mountain. Wie der Name schon sagt erwartet einen nach 500 steinigen Stufen eine große Drachenstatue auf dem Gipfel des Berges. Von dort aus hatte man einen wunderbaren Ausblick über die Felslandschaft und konnte über weitere Treppen zu einem zweiten Gipfel mit einer kleinen Steinpagode gehen.

Leider nieselte es immer wieder, weshalb wir auch nicht lange dort oben verweilen wollten und auf dem Rückweg noch einen Abstecher in die Stadt Ninh Binh machten. Dort wurden wir direkt an einer richtig coolen Pagode auf dem Wasser rausgelassen, die innen wunderschöne Wandverzierung aus Sandstein hatte. Anschließend war es bei diesem Wetter mal wieder Zeit für eine schöne warme Pho und ein Banh Min für auf die Hand. Mit vollem Bauch ging es wieder zurück nach Tam Cốc, wo wir noch ein wenig die belebten Straßen erkundeten. 

Nachdem wir den kompletten nächsten Tag bei Regen mit Udo (der an diesem Morgen ankam) im Cozy Garden verbrachten, stand für den letzten Tag wieder ein Ausflug zu dritt auf dem Programm. Zuerst führen wir zur 15km entfernten historischen Haupstadt Hoa Lu. Sie wurde vor mehr als einem Jahrtausend unter der Herrschaft der Dinh-Dynastie und der Lê-Dynastie erbaut. Für gerade mal zwei Euro Eintritt war es zwar ganz nett die zwei restaurierten Tempel der berühmten Könige gesehen zu haben, wir waren aber auch schnell fertig.

Aus diesem Grund beschlossen wir eine Bootsfahrt in Trang An zu buchen und verstanden nun auch woher der Name Halong Bucht des Landesinneren stammt. Über 2,5 Stunden lang schipperten wir drei mit unserem Fahrer über den Fluss durch mehrere Höhlen zu drei Tempeln auf kleineren Inseln. Unser Highlight war zum einen die Fahrt durch die 1km lange Hang Dôt Höhle, bei der wir auch häufiger unseren Kopf einziehen mussten und zum anderen der faszinierende Wassertempel. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt und wir hatten sogar Glück, dass es den restlichen Tag trocken blieb. 

Durch die vielversprechende Wettervorhersage für die kommende Woche im Hochland von Nord-Vietnam, planten wir unsere Reise etwas um und buchten uns einen Bus nach Sapa. Damit sind wir auch wieder tagesaktuell und freuen uns schon bald von unserem Trip in die Berge berichten zu können.

Kristin & Lukas

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