Chaos in Laos

Die Einreise

Der Reisetag nach Laos begann vielversprechend entspannt mit unserer pünktlichen Abholung um 13 Uhr in Chiang Rai. Keine 1,5 Stunden später wurden wir mit noch zwei weiteren Pärchen am thailändischen Grenzposten vor der Thai-Lao-Friendshipbridge 4 rausgeschmissen. Unwissend was als nächstes passiert und wo wir hinmüssen, machte uns unser Fahrer mit wilden Gestiken deutlich, dass er noch ein Gruppenfoto schießen will und zeigte anschließend auf die Grenzhäuschen. Also reihten wir sechs uns verwirrt nebeneinander auf und lächelten verlegen in die Kamera. Nachdem er das Bild geknipst hatte stieg er jedoch einfach ein und fuhr davon. Wir begaben uns dann mal Richtung der menschenleeren Grenze auf das einzig besetzte Häuschen zu, woraufhin unser thailändisches Visum auf Gültigkeit kontrolliert wurde und wir den entsprechenden Ausreisestempel erhielten. Nun offiziell ausgereist wollte uns eine Frau an einem weiteren Schalter ein Busticket verkaufen. Wir verstanden, dass uns ein weiterer Bus über die Brücke zur laotischen Grenze bringen sollte und wir hierfür aber bereits gezahlt hatten. Ohne Probleme händigte sie uns daraufhin unsere Bustickets aus. Noch etwas früher als geplant ging es dann um 15:45 Uhr auf die andere Seite des Mekongs. Gerade einmal fünf Minuten später begann an der Grenze von Laos das Chaos. Wir hatten bereits vorab unser Visum online erworben, um uns bei der Einreise Zeit und Stress zu ersparen -dachten wir zumindest. 😅 Auf dem Weg zum Grenzposten kam plötzlich ein kleiner Mann angerannt und zeigte uns unser Gruppenfoto auf seinem Handy. Er teilte uns mit, dass er unser Fahrer für den restlichen Weg sei und wollte uns zum Visa on arrival (bei Ankunft) leiten. Wir erklärten ihm, dass wir bereits ein eVisum haben, woraufhin er nur nickte und uns den dafür vorgesehenen Schalter zeigte. Dann dampfte er wieder ab. Dort angekommen stellten wir verwundert fest, dass der Schalter nicht besetzt war. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns an dem einzig anderen Schalter hinter den anderen Leuten einzureihen. Endlich vorne angekommen reichte Kristin dem Polizisten ihren Reisepass. Er blätterte mehrmals verwirrt durch den ganzen Pass, woraufhin wir ihm mitteilten, dass wir ein eVisum beantragt haben. Unfreundlich und genervt zeigte er auf das leere Häuschen nebenan und machte uns nonverbal deutlich, dass wir uns dort anstellen müssen. Etwas verdattert gingen wir rüber und warteten ab. Kristins Pass lag noch bei ihm im Häuschen, wir standen da wie bestellt und nicht abgeholt und er kontrollierte einfach die nachfolgenden Leute weiter. Nachdem der letzte aus der Schlange bedient war, stand der Grenzpolizist auf und wechselte in das eVisa Häuschen. Völlig ungläubig schauten wir beide uns an, während er nun endlich den Einreisestempel auf die Seite knallte. Danach war noch Lukas Pass dran und dann konnten auch wir die Grenze passierten. -aber nicht bevor er uns noch ohne Erklärung 100 Baht abknöpfte. Auf der anderen Seite sahen wir ein weiteres Kassenhäuschen, an dem die anderen Reisenden ihr Visa on arrival bezahlten. Da wir mit unserem eVisum offensichtlich nicht betroffen waren, gingen wir einfach an der Schlange vorbei und hielten Ausschau nach dem blauen Bus, so wie es uns unser Fahrer vorab erklärte. Kaum draußen, eilte uns eine Frau nach und teilte uns allen Ernstes mit, dass wir uns doch anzustellen haben, um eine Touristenabgabe von 20 Baht (circa 60 Cent) zu zahlen. Etwas angefressen stellten wir uns hinten an. Das ohnehin teurere eVisa hat uns also weder Zeit noch Stress erspart -wir waren sogar mit die Letzten. 🫠

Im Glauben es endlich geschafft zu haben und gleich zur 5km entfernten Unterkunft zu fahren, gingen wir zum blauen Bus. Nachdem wir unser Gepäck selbst verladen hatten, nahmen wir in dem bereits halb vollen Bus platz. Kurze Zeit später kam auch schon unser Busfahrer. Entgegen aller Erwartungen fuhren wir nicht los, sondern er fotografierte die Pässe zweier Leute und verschwand kommentarlos. Nun begann die Stunde des ungewissen Wartens. Während dieser Zeit, lernten wir zwei lustige ältere Münchner und ein schweizer Pärchen kennen, die sich typisch Deutsch, bereits nach 10 Minuten nach einem Alternativtaxi umschauten, jedoch ohne Erfolg. Nach zwanzig Minuten gesellten wir uns zu den Münchnern nach draußen, die bereits von den Taxifahrern, die sie nicht fahren wollten, ein paar Bier abgekauft hatten. Wir tauschten uns über unsere Reisen aus und nahmen die Situation mit Humor. Gusto, einer der Münchner, drückte beispielsweise zwei mal auf die Hupe und sein Kollege kletterte aufs Dach des Busses. Nach insgesamt einer Stunde tauchte unser Fahrer wieder auf und erklärte uns (nur leider viel zu spät), dass wir auf sechs weitere Passagiere warten würden, die auch tatsächlich kurze Zeit eintrafen. Ebenfalls etwas fertig erzählten sie uns, dass zwei von ihnen in Chiang Rai vergessen wurden und es dem Fahrer erst auf halber Strecke auffiel, sodass sie umdrehen mussten. Zur Feier des Tages wurde mit einem „Ein Hoch auf unseren Busfahrer eingestimmt“ und es ging endlich nach Houay Xay. Die 15-minütige Fahrt hätten wir in der Wartezeit übrigens 3 Mal zurücklegen können…

Eine Nacht in Houay Xay

Dort angekommen checkten wir direkt in unser Gasthaus Somewhere over the river ein und machten uns noch vor Einbruch der Dunkelheit auf den Weg, Geld abzuheben und eine Sim-Karte zu kaufen. Aufgrund der Warterei hatten wir leider keine Zeit mehr, das Dörfchen richtig zu erkunden. Die letzten Sonnestrahlen beobachteten wir von einem kleinen Tempel aus und gingen anschließend zum Abendessen. Zurück in der Unterkunft nahmen wir zum ersten Mal die dort herrschende Kälte wahr. Bei 10,50€ pro Nacht inklusive Frühstück konnten wir allerdings auch keine Heizung oder Isolierung des Zimmers erwarten. Also kuschelten wir uns unter die immerhin dicke Decke und versuchten früh zu schlafen.

Am nächsten Morgen ging es bei 9 Grad, gezwiebelt in all unseren langen Klamotten, um 7 Uhr zum überraschend leckeren Frühstück und eine Stunde später zum Busbahnhof. Dort wartete glücklicherweise bereits unser Minivan, woraufhin wir unser Gepäck einluden. Circa eine Viertelstunde vor Abfahrt versuchte uns ein Mann mit Händen und Füßen zu erklären, dass alle ihre Rucksäcke wieder ausladen sollen. Verwundert leisteten wir Folge und der Minivan fuhr daraufhin einfach davon. Da sich bereits einige Leute angesammelt hatten, vermuteten (und vor allem hofften) wir, dass auf einen Kleinbus umstiegen wird. Doch zu unserer Enttäuschung fuhr um Punkt 9 ein baugleicher Minivan vor. Wir sicherten uns direkt einen Sitzplatz nebeneinander auf einem Doppelsitz. Als wir aus dem Fenster schauten, sahen wir plötzlich einen Mann mit einem lebendigen Huhn auf dem Arm und machten drei Kreuze, als er zum Glück in den Bus nebenan einstieg. Verwirrt darüber, wie alle Leute in diesem Auto Platz finden sollen, wurden zeitgleich zwei Pappkisten angekarrt und in den engen Gang zwischen die Sitzreihen gestellt. Unter die Sitze vor uns wurden zudem noch Reissäcke eingeladen. Das wars also komplett mit Lukas Beinfreiheit. 😂 Neben ihm auf der Pappkiste nahm ein laotisches Mädchen im rosa Ganzkörperplüschpyjama platz, die komplett nass an ihrem Ärmel war. Angeekelt und eingepfercht hieß es dann für die nächsten 3,5 Stunden Augen zu und durch. Die Strecke ähnelte den Serpentinen in den Alpen, nur mit super vielen Schlaglöchern.

Das Bergdorf Luang Namtha

Zur Mittagszeit kamen wir dann endlich in Luang Namtha in der Nähe des Nam Ha Nationalparks an. Nach dem Check In in das Zuela Guesthouse erkundeten wir zu Fuß die Umgebung. Wir besuchten den Samakixay Tempel auf einem nahegelegenen Hügel, der leider zurzeit renoviert wird. Dennoch war die Aussicht über das Dorf ganz nett. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir in einem kleinen Café und mit dem Buchen eines Trekking Ausfluges für den nächsten Tag. Zum Abendessen hatten wir uns den Night Market direkt gegenüber von unserer Unterkunft ausgesucht. Dieser war jedoch eine große Enttäuschung und auch etwas eklig. Ein Pärchen aus unserer Unterkunft, mit denen wir am nächsten Tag gemeinsam den Trekking Ausflug unternahmen, zeigte uns sogar ein Bild von gegrillten Ratten, die man dort kaufen konnte. 🤢 Glücklicherweise gab es direkt in unserer Unterkunft eine leckere vegetarische Nudelsuppe für kleines Geld. Das war ohnehin zum Aufwärmen genau das Richtige, denn nach Sonnenuntergang wurde es direkt richtig kalt.

Nam Ha Nationalpark

Nach einer weiteren kalten Nacht ging es am nächsten Morgen bereits um 9 Uhr los zum Nam Ha Nationalpark. Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst einen Halt bei einem lokalen Markt, sodass unser Guide Lik Zutaten für unser Mittagessen einkaufen konnte. Danach ging es weiter zum Dorf Chaleunsouk. In der gesamten Region um Namtha gibt es viele solcher Dörfer ethnischer Minderheiten, die noch sehr autark und einfach leben. Einerseits konnten wir interessante Einblicke gewinnen, andererseits war es aber auch eine seltsame Erfahrung, da unser Guide uns nichts erklärte und wir uns wie bei einem Zoobesuch vorkamen. Wieder zurück im Tuk Tuk wurden wir bis zum Eingang des Nationalparks gefahren.

Unsere Trekking Tour ging circa 10km hoch und runter durch den dichten Wald. Leider müssen wir sagen, dass es weder Tiere zu beobachten noch schöne Aussichtspunkte auf dem Weg gab, wodurch es nach einer Zeit etwas langweilig wurde. Ein Highlight war jedoch das gemeinsame Mittagessen mitten im Wald auf großen Bananenblättern. Es gab Klebreis, gebratenes Gemüse, frische gekochte Bohnen, eine sehr leckere Koriander-Chili-Paste, eine süßliche Tomatensoße und für die anderen frisch gegrillten Fisch. Anfangs waren wir sehr skeptisch, doch es war überraschend lecker und stärkte uns für die restliche Tour. Den letzten Kilometer ging es bergab durch eine riesige Kautschukbaum-Plantage bis zurück zur Straße. Dort wurden wir nach ein paar Minuten von unserem Tuk Tuk Fahrer eingesammelt. Auf dem Rückweg machten wir erneut Halt in einem anderen der kleiner Dörfchen. In Nam Lue Village zeigte Lik uns sogar noch eine laotische Grundschule, die zurzeit Ferien hatte. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir erneut im Café und Restaurant unserer Unterkunft.

Bisher finden wir persönlich, dass Nord-Laos äußerst gewöhnungsbedürftig ist und diese zwei Orte uns nicht sehr begeistern konnten. Die Leute verhalten sich teilweise abstoßend mit Rotzen auf den Boden und lauten Schmatzgeräuschen, überall liegt Müll und die Luft ist äußerst staubig und dreckig. Deshalb sind wir auf die nachfolgenden Stopps gespannt, die scheinbar auch deutlich touristischer sind.

Wenn ihr jedoch glaubt, dass unsere Eindrücke der letzten drei Tage vogelwild waren, dann schnallt euch für die nächste Fahrt nach Nong Khiaw besser gut an, denn da haut es nicht euch aus dem Sitz!

Kristin & Lukas

5 Kommentare

  1. Also nach Nord Laos fahre ich schon mal nicht 🤣
    Bin gespannt auf Nong Khiaw

  2. Eure Einreise nach Laos ist für mich als Unbeteiligte, auch zum zweiten Mal nach der persönlichen Erzählung von Lukas, sowas von lustig. 🤣😂 Ich wäre verrückt geworden.

  3. Es kann ja nicht alles glatt laufen 🫣
    So habe ich mir Euren Trip vorgestellt 🤭
    ….und man lernt Land und Leute kennen 😁
    Bis bald in Vietnam 👍
    Liebe Grüße 😍
    Dirk

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