Über Stock und Stein nach Nong Khiaw

Am nächsten Morgen hieß es für uns erneut früh aufstehen. Da bereits um viertel vor 8 Uhr Treffpunkt zur Abfahrt zum Busbahnhof war, gingen wir um 7 Uhr zum Frühstück. Neben uns trafen nach und nach weitere Hotelgäste ein. Darunter auch eine Gruppe aus 6 Brasilianern, die mit ihren großen Reiserucksäcken zum Frühstück gingen. Da wir bereits wussten, dass neben uns auch das ukrainische Pärchen, dass wir am Vortag kennengelernt hatten, nach Nong Khiaw fährt, scherzten wir, dass es richtig eng im Minivan werden könnte, wenn die Brasilianer ebenfalls dorthin fahren würden. Pünktlich um viertel vor Acht am Treffpunkt warteten neben den Ukrainern noch 5 weitere Personen am Taxi-Tuk-Tuk. Wir hörten heraus, dass 4 von den 5 ebenfalls nach Nong Khiaw fahren. Da wir beide unser Ticket bereits bei der Ankunft in Luang Namtha am Busbahnhof gekauft hatten und die restlichen ihres nur reserviert und noch am Schalter erwerben mussten, machten wir uns direkt auf den Weg zum Minivan, um uns die beiden einzigen Plätze ganz hinten neben dem Gepäck zu sichern. Hiermit wollten wir vorbeugen, dass erneut jemand neben uns in den Gang gequetscht wird. Dieser Plan stellte sich schlussendlich auch als optimal heraus. Nach und nach füllte sich der Bus mit den Leuten aus unserer Unterkunft. Als bereits 8 von möglichen 11 offiziellen Sitzplätzen besetzt waren, tauchte plötzlich die 6er Brasilianergruppe hinter dem Minivan auf. Durch die offene Kofferraumklappe hatten wir einen perfekten Blick auf das sich anbahnende Spektakel. Als ihnen ein laotischer Mitarbeiter mitteilte, dass dies der Minivan nach Nong Khiaw sei, ließen sie bestens gelaunt ihre großen Rucksäcke einladen. Als sie sich auf die Seite des Busses hin zur Tür begaben, fiel ihnen beim Zählen der freien Sitzplätze beinahe die Kinnlade herunter. Temperamentvoll diskutierten sie die kommenden dreißig Minuten mit dem Fahrer und einer laotischen Frau, die das Problem erst einmal gar nicht zu verstehen schienen und immer wieder auf die drei freien Plätze zeigten. Inzwischen genervt von der ganzen Situation, waren die beiden Mädels der Gruppe nicht nur mit ihrem Latein, sondern auch mit ihrem Englisch am Ende, was sowieso keiner der Mitarbeiter verstand oder sprach. Über unsere Unterkunft schafften sie es telefonisch Kontakt mit dem Manager aufzunehmen, der ihnen einen weiteren Van für in einer Stunde zusicherte. Die drei freien Plätze wurden selbstverständlich im Nu von fünf laotischen Frauen eingenommen. An Stelle von Pappkisten wurden dieses Mal leere Bierkisten in den Gang gestellt. Nach dreimaligem Gepäck ein- und ausladen ging auch endlich der Kofferraum zu und es ging los. Wie bereits bei unserer vorherigen Fahrt waren die Straßen eher schlecht als recht. So kam es nicht nur einmal vor, dass es uns bei einem Schlagloch aus den Sitzen schoss. Kristin verpasste sich hierbei eine Beule am Kopf und ein am Vordersitz angedetschtes Knie, während Lukas um ein Haar nach Vorne durch die Sitzreihen katapultierte. Aufgrund der Turbulenzen dauerte es keine Stunde, bis eins der laotischen Mädels (wohlbemerkt erneut im rosa Plüschpyjama) anfing sich übergeben. 🤢 Da sie direkt vor Kristin saß, kontrollierten wir minütlich, ob Erbrochenes die Tüte verfehlte und nach hinten lief. Mit Kotzgeruch und Schütteltrauma legten wir auf halber Strecke nach 3,5 Stunden die erste und einzige Pause ein. Anstelle der vom Busfahrer gezeigten 10 Finger dauerte die Pause 30 Minuten. Die zählen hier wohl anders. Mit dem Anti-Übelkeitspflaster mitten auf der Stirn sah das Plüschmädchen nicht nur blöd aus, sondern war auch genauso blöd sich kurz vor Weiterfahrt eine saure Mango mit Chilipulver reinzupfeifen. Beim Einsteigen in den Bus entdeckte Lukas noch ein Paar Reste auf dem Boden und kümmerte sich mittels Gestikulieren um die Beseitigung. Wer hätte es gedacht? Keine zwei Schlaglöcher später landete die Mango wieder im Beutel. Erneut hieß es für uns Augen zu und durch.

Nach insgesamt 7 Stunden Horrorfahrt erreichten wir endlich das Dorf Nong Khiaw. Da die Unterkunft nur 10 Minuten entfernt war, beschlossen wir zu Fuß zu gehen. Die Nam Ou Riverlodge liegt wieder der Name schon sagt direkt am Fluss Nam Ou und überzeugte uns mit dieser idyllischen Lage direkt.

Wir machten uns direkt auf den Weg zum Abendessen und entdeckten keine Minute entfernt das süße SaRa Café. Dort schmeckte es uns so gut, dass wir in den zweieinhalb Tagen ganze 8 Mal dort waren und erst gar nichts anderes ausprobieren wollten. 🥰🍴

Aufgrund des nervenaufreibenden Vortages ließen wir den Morgen besonders entspannt angehen. Bei einer Runde Kniffel am Wasser entschieden wir uns, die nahegelegene Pha Kuang Höhle zu besichtigen. Während des Indo-China-Kriegs in den 60er Jahren diente die Höhle als Zufluchtsort der Dorfbewohner. Den Eingangsbereich bildet eine riesige lichtdurchflutete Kammer, von der aus das Tunnelsystem erreicht werden kann. Durch den 1,50 Meter hohen Anfangsbereich gingen wir noch circa 100 Meter ohne Probleme bis zur nächsten Kammer. Da der Tunnel ab diesem Zeitpunkt nur noch 50 Zentimeter hoch war entschieden wir uns, nicht hineinzukrabbeln – vor allem nicht auf eigene Faust.

Den restlichen Tag verbrachte wir bei bestem Wetter am Fluss. Denn auch wenn die Temperaturen Nachts auf 12 Grad herabfallen, ist es in der Sonne ab der Mittagszeit bis kurz vor Sonnenuntergang wirklich heiß. ☀️ Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, einen der unzähligen Berggipfel zu erklimmen. Gesagt getan, machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Phadeng Peak Viewpoint. Hierzu mussten wir zuerst den Nam Ou mit einer Brücke überqueren und 510 Höhenmeter zurücklegen. Im Wandergebiet sowie auch weiten Teilen des restlichen Landes ist Vorsicht vor Mienen und Bombenüberrestengeboten. Während des Vietnamkriegs wurden über 270 Millionen Streubomben der USA über Laos abgeworfen -deshalb schön auf dem Weg bleiben. 🙃 Heil oben angekommen, war der 360 Grad Ausblick jede Schweißperle wert, es war wirklich wunderschön. 🤩 Nach einem kurzen Picknick ließ Kristin auch einmal ihre Drohne fliegen, um diesen Moment für uns festzuhalten. Zurück im Dorf beendeten wir den Tag mit einem letzten leckeren Abendessen im SaRa Café am Flussufer.

Morgen früh geht es für uns in die Stadt Luang Prabang, die DIE Touristenstadt in Laos sein soll. Doch unsere Euphorie hält sich bis dato noch in Grenzen, da uns eine weitere mehrstündige Minivanfahrt bevorsteht.

Nong Khiaw hat uns aufgrund der wunderschönen Lage inmitten von Bergen direkt am Fluss super gut gefallen! ⛰️

Kristin & Lukas

3 Kommentare

  1. Für euch eine Horrorfahrt – für uns sooooo lustig zu lesen. Wir haben wirklich Tränen gelacht. 🤣🤣 SORRY 😘

  2. mmmhhh Lecker Mango 😉 Ich hab das Gefühl gehabt, ich sitze neben euch 😉 Plüsch und Mango gesehen 😉
    WOW die Aussicht muss wirklich grandios sein dort oben.

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